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HISTORIE

Aller Anfang ist schwer...

Wenn man bedenkt, wie ungünstig die sozialen und finanziellen Verhältnisse des tierärztlichen Standes in der Mitte des vorigen Jahrhunderts waren, so muss der Entschluss des Begründers der Firma H. Hauptner, sich dem Instrumentarium des Tierarztes zuzuwenden, als ebenso kühn wie weitsichtig bezeichnet werden. Dies um so mehr, da der Lehrling Hans Hauptner in den Anschauungen des Faches der Chirurgie-Instrumentenmacher erzogen worden war, deren Innung vornehmlich das ärztliche Instrument pflegte und auf die zugehörigen Erzeugnisse ad usum veterinarium geringschätzend herabblickte. Der Gedanke, sich für veterinäre Werkzeuge und Geräte zu spezialisieren, blieb, durch Hauptner in die Tat umgesetzt, nicht wie anderswo lediglich eine Konjunkturerscheinung, sondern wurde zum Wendepunkt in der Entwicklung des Veterinärinstrumentariums. Hans Hauptners gesunde Idee konnte in 75 Jahren konsequenter Durchführung nicht nur den jeweiligen Belangen der fortschreitenden Technik und Wissenschaft meisterhaft gerecht werden, sondern befähigte auch ihre Träger, ungeachtet mancher Schwierigkeiten und Enttäuschungen, Schulter an Schulter mit tierärztlichen Praktikern und Wissenschaftlern erfolgreich in vorderster Linie für den Ausbau und den Aufstieg der Veterinärmedizin zu kämpfen. Dieser Aufgabe war der Gründer der Firma dank seiner Persönlichkeit in vollem Maße gewachsen.

Hans Hauptner wurde als Sohn eines Kaufmannes – sein Vater betrieb ein Materialwarengeschäft – am 24. November 1823 in Neu-Ruppin geboren. Nach dem frühen Tode des Vaters musste er das Gymnasium schon mit 16 Jahren verlassen und kam zu dem Berliner Messerschmied Eduard Heyne in die Lehre. Am 22. Juli 1844 wurde Hans Hauptner von der Innung „freigesprochen“. Nach einer kurzen Gesellenzeit fasste er den Entschluss in den Dienst der Eisenbahn zu treten. Diesen Dienst leistete er ein halbes Jahr, bis die Liebe zu seinem eigentlichen Fach überwog. In frischem Tatendrang zog er auf die Wanderschaft und förderte sein Können durch eine zehnjährige Gehilfentätigkeit in deutschen und ausländischen Universitätsstädten, wo er sich in bedeutenden Werkstätten mit dem gesamten Instrumentarium der damaligen Humanchirurgie befasst hat.

Am 13. Mai 1856 gründete Hans Hauptner seinen eigenen Hausstand und eröffnete ihn am 26. März 1857 im Hause Charlottenstraße 76 gelegenen Laden mit darunter befindlicher Kellerwerkstatt. Zunächst startete Hans Hauptner als Einmann-Betrieb. In den ersten Jahren sahen wir Hans Hauptner das herstellen und verkaufen, was in dem kleinen Ladengeschäft gangbar war. Es kauften dort Ärzte, Tierärzte, Landwirte und eigentlich jedermann, der Behelfe der Krankenpflege benötigte. Unter den Kunden des jungen Meisters befand sich auch der spätere Kaiser Friedrich III., der sich von Hans Hauptner einen Hirschfänger nach eigener Angabe anfertigen ließ. Neben der Herstellung der üblichen Gegenstände für den Bedarf des Arztes und Tierarztes, sowie der Krankenpflege fanden schon damals tierzüchterische Hilfsmittel, die Hans Hauptner für Schäfereidirektoren anfertigte, lohnenden Absatz. Sein Hauptaugenmerk legte er mehr und mehr auf das tierärztliche Instrumentarium.

In den sechziger Jahren sahen wir Hans Hauptner mit größtem Fleiße an dem Ausbau des Instrumentariums für den Tierarzt und den Tierzüchter arbeiten. Dafür brachten ihm die Dozenten der damaligen Berliner Tierarzneischule großes Interesse entgegen und so wuchs der Betrieb in der Charlottenstraße von Jahr zu Jahr. Bereits zwei Jahre nach Geschäftsgründung wurden einige Arbeiter dort beschäftigt und 1864 erhöhte sich die Anzahl der Arbeiter auf zehn. Durch das handwerkliche Geschick von Hans Hauptner in der Kombination mit seiner kaufmännischen Veranlagung war er mit der Erstellung von Katalogen und Werbeanzeigen seiner Zeit voraus. Ausschlaggebend blieb dabei stets sein Grundsatz, in der Herstellung seiner Erzeugnisse selbständig zu bleiben, die größte Sorgfalt zu beobachten und alle neuzeitlichen Hilfsmittel der Technik auszunutzen. Nach siebenjähriger Arbeit zog die Kellerwerkstatt in die größeren Räume des neuerworbenen Hauses in der Charlottenstraße 74, in Berlin. Hier widmete er sich vornehmlich der Herstellung der 1868 erfundenen Pferdeschere mit Kammsystem. Vorläufer der heutigen Pferdeschermaschinen.

Fleiß zahlt sich aus...

Hauptner trat auf der bedeutenden Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 in besonderem Maße in Erscheinung. Die nur aus Meistern der Chirurgiemechanik gebildete Jury verlieh der Firma den höchsten Staatspreis, sowie das Ehrenzeugnis „Für ganz außerordentliche Leistungen auf dem Gebiete der Veterinärmedizin.“ Wann auch immer die Chronik des Hauses Hauptner aufgeschlagen wird, sind technischer Fortschritt und enge Zusammenarbeit mit dem Verbraucher das Fundament der steten Verbesserung und hohen Entwicklung der Instrumente. Ausgezeichnet wurde dies durch die höchste Auszeichnung, den einzigen „Grand Prix“ in der Klasse Chirurgie bei der Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris. Die Jahre darauf folgten noch viele weitere vergleichbare Auszeichnungen.

Im Laufe der Zeit übernahm der einzige Sohn Rudolf Hauptner mehr und mehr die Geschäfte von Hans Hauptner. Hans Hauptner verstarb im Jahre 1901 und es wurden Danksagungen aus dem Inland und Ausland ausgesprochen. Nach dem Tod des Gründers setzte eine neue Zeit ein. Unter der alleinigen Leitung von Rudolf Hauptner, der bereits 1882 nach gründlicher technischer und kaufmännischer Ausbildung seinem Vater der unersetzlichste Mitarbeiter war, begann ein verheißungsvoller neuer Aufschwung. Neuzeitliche Fabrikations- und Verkaufsverfahren wurden eingeführt. Das Instrumentarium wurde entsprechend den Disziplinen der Veterinärmedizin ausgebaut.

Auch Rudolf Hauptner verlor den Ausbau der Weltstellung nicht aus den Augen und fasste u.a. wegen der beengten Platzverhältnisse in Berlin den Entschluss, an der Wiege der Stahlindustrie, wo die besten Produktionsbedingungen gegeben sind, Fuß zu fassen und ließ 1916 in Solingen, dem Zentrum der Schneidwarenindustrie, ein umfangreiches Werk neu aufbauen. Der erste Weltkrieg und die folgende Inflation hatten dem Unternehmen natürlich auch schwere Schäden zugefügt, aber unter dem unermüdlichen Schaffensdrang von Rudolf Hauptner und seiner Söhne war der Ruf und die Stellung im Markt bald wieder gefestigt. Die Zeit von 1932 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war geprägt durch weitere internationale Erfolge auf dem Gebiet der Tiermedizin, aber auch durch den rigorosen Eingriff der Politik in die Struktur der Landwirtschaft, insbesondere der Tierzucht. Bis zum Ende des Krieges waren in Solingen 400 Mitarbeiter beschäftigt, in Berlin – immer noch Hauptsitz – 150.

Wo ein Wille, da ein Weg...

Umso tiefer und dramatischer der Absturz nach dem Ende des Krieges: die Zentrale mit den meisten Warenvorräten lag im Ostteil der Stadt und war verloren, die großen Gebiete der Tierzucht in den östlichen Ländern waren abgeschnitten. In der Landwirtschaft erfolgte eine rasante Umstrukturierung auf Motorbetrieb. Die Pferdezucht, aber auch Schafe und Ziegen reduzierten sich auf Restbestände, gezüchtet wurde auf Rinder und Schweine. Trotzdem gab es noch viele tierhaltende Betriebe in Deutschland – Anfang der 50-er Jahre ca. 1,7 Millionen, heute noch knapp 200.000. Hauptner – als Produzent nun nur noch in Solingen aktiv - hatte in den ersten Nachkriegsjahren schwer zu kämpfen. Unter der zielstrebigen Leitung der damaligen Gesellschafter Konrad und Hans Hauptner erholte sich das Unternehmen langsam.

Doch dann kamen besondere Umstände zu Hilfe: die Viehbestände in Europa waren als Folge des Krieges verseucht: Tuberkulose-, Brucellose- und Leukose-Bekämpfung begann im großen Stil und damit Anforderungen an das Unternehmen zur Lieferung von tausenden von Tuberkulin-Spritzen, Kutimetern, Anschneidescheren, Nasenzangen und Millionen von Ohrmarken – europaweit. Rudolf Hauptner hatte schon um 1910 die Crotalia-Metall-Ohrmarke entwickelt, die zunächst das vorherrschende Kennzeichnungsmittel war. In den 40-Jahren folgte die verbesserte und elegante Supercrotal-Ohrmarke, die dann bei der beginnenden Seuchen-Bekämpfung europaweit das vorherrschende Kennzeichnungsmittel war.

Zusätzliche größere Auslandaufträge aus Übersee in Form von Spritzen und Scherkämmen ließen das Unternehmen dann rasch gesunden sodass 1957 in relativ sicheren Bahnen das 100-jährige Bestehen gefeiert werden konnte. 1962 erfolgte eine weitere Stärkung des Unternehmens durch den Erwerb der Firma Richard Herberholz in Wuppertal - seit 1891 als Ohrmarkenproduzent auf dem Markt. Herberholz hatte den Auftrag in schwierigen Konkurrenz-Situationen Einbrüche aufzuhalten und Marktlücken zu entdecken und zu schließen. Dies gelang erfolgreich. Mit der Liberalisierung der Märkte durch die EWG entstanden nun ringsum Konkurrenten, denen gegenüber man sich durch die hohe Qualität der Hauptner-Erzeugnisse aber gut behaupten konnte.

Zeiten ändern sich...

Die 1980er-Jahre waren durch 2 Umbrüche geprägt: Einerseits kamen die ersten Kunststoff-Ohrmarken auf den Markt, anfangs primitiv, aber schnell verbessernd. Hauptner und Herberholz hielt an der wesentlich haltbareren Metallohrmarke fest und konnte gleichzeitig die Entwicklung der Kunststoffohrmarke aufgrund der neugewonnen Herberholz-Kunststoffsparte begleiten. Hinzu ergaben sich schwerwiegende Veränderungen in der Gesellschafter- und Firmenleitungsstruktur: Konrad und Hans Hauptner verstarben, Hans Schoening als weiterer Geschäftsführer zog sich aus der Firmenleitung zurück, sodass nur noch Karl-Heinz Neutsch als Geschäftsführer von Herberholz und Annette Hauptner als Geschäftsführerin von Hauptner verblieben. Anfang der 90-er Jahre mussten auch diese aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden, sodass beide Firmen zunächst ohne legitimierte Führung auskommen mussten.

1995 übernahm Herr Bernd Neutsch die Geschäfte und konzentrierte sich zunächst auf den weiteren Ausbau der Kunststoffohrmarkenproduktion, um neben dem starken Instrumenten- und Tierzuchtbereich ein weiteres Standbein aufzubauen. Der zunehmenden Globalisierung wurde mit der Fusion der beiden Firmen begegnet. Auch die beiden Filialen in Hannover und München wurden durch die zunehmende Internationalisierung und Digitalisierung als nicht mehr notwendig erachtet. Im Laufe des neuen Jahrtausends verfolgte die Geschäftsleitung das Ziel, sich auf die Kernkompetenzen der Firma zu konzentrieren. Die solide Fortentwicklung von Hauptner-Herberholz unter den Prämissen „Qualität“, „Zuverlässigkeit“ und „Technologie“ konnte 2007 mit dem 150-jährigen Firmenjubiläum gefeiert werden.

Heute liegen die Produktionsschwerpunkte bei Kunststoffohrmarken, Spritzen (Muto), Nasenringen, Schermaschinen und speziellen Veterinärinstrumenten (z. B. die Serra-Zange). Ein Großteil des Produktprogramms wird in Solingen auf höchstem Qualitätsniveau gefertigt und von dort aus vertrieben. Die Exportquote beträgt fast 80% und geliefert wird in über 100 Länder der Welt. Neuen Technologien und Trends sieht Hauptner und Herberholz aufgrund der langjährigen Erfahrung und des breiten Produktionsspektrums positiv entgegen. Durch ein Höchstmaß an Engagement, Flexibilität und Service versuchen wir auch in Zukunft den Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden!